Archiv der Kategorie: Interkulturelles

Interessantes rund um das Thema interkultuerelle Unterschiede von Deutschen und Engländern bzw. Amerikanern

Submarine Sandwich – Geschmacksknospen auf Tauchstation

Wer je in den USA nach der „next underground station“ gefragt hat, wird herausgefunden haben, dass die US-amerikanische Version der deutschen U-Bahn, und des britischen underground, der amerikanische subway ist.

Warum sich jedoch eine Fast-Foodkette denselben Namen gegeben hat, hat nichts damit zu tun, dass der Geschmack ihrer Produkte unterirdisch ist, sondern liegt daran, dass man in den USA zu einem belegten Baguettesandwich auch sub sagt. Dies ist die Abkürzung für submarine sandwich, was nicht etwa daran liegt, dass das Brot dieser Delikatesse mit kalorien-, und geschmacksverstärkerreichen Soße ertränkt wird, sondern, dass die Form dieser Art Brötchens, einem U-Boot ähnelt.

Take Place vs. Take A Seat

Besonders Deutsche, die sich im Englischen versuchen, begehen gerne und nachhaltig den Fehler jemandem einen Sitzplatz anzubieten, indem sie sich der Floskel: To take place bedienen.

To take place bedeutet leider nicht, wie die wörtliche Übersetzung vermuten ließe, „Platz nehmen„, sondern stattfinden.

Wenn Sie also einem Gast idiomatisch bitten wollen, sich zu setzen, können Sie sich der Redewendungen: please, have a seat bedienen. Oder in der Sparversion: please, sit.

Handicap – bettelnde Golfer?

Was ein Handicap genau ist, kann Ihnen wahrscheinlich nur ein Golfer erklären. Ich bin an Golf so desinteressiert, dass ich mich nicht einmal dazu aufraffen kann zu googeln, was es wirklich bedeutet. Wesentlich interessanter ist da schon der Usprung des Wortes.

Der englische König Heinrich der VII hat mit königlicher Großmut der Unzahl heimkehrender, versehrter Kriegsveteranen das Betteln erlaubt, weil sich eine Invalidenrente aus dem Staatsäckel nicht finanzieren ließ.

Diese wurde damals als „cap-in-hand“ bezeichnet, auf den Umstand anspielend, dass eine Kopfbedeckung als Klingelbeutel herhalten musste. Später wurde daraus „handicapped“ als Synonym für „behindert„.

Dieser Begriff ist besonders in der Hochburg der politischen Korrektheit längst aus der Mode, und durch „challenged“ ersetzt worden.

To Go Off vs. Go On – das kann so nicht angehen

Phrasal verbs sind ein rotes Tuch für so manchen Englisch Lernenden und haben einige schon zur Verzweiflung gebracht. Eine falsch verwendete Präposition kann den Sinn eines Satzes vollkommen entstellen und schon haben Sie die Lacher nicht mehr auf Ihrer Seite, sondern sind der Grund hochgezogener Augenbrauen und fragender Blicke.

To go on, zum Beispiel bedeutet nicht, wie die wörtliche Übersetzung nahe legen würde, angehen, sondern weitermachen. Und to go off heißt auf Englisch eben nicht ausgehen, sondern angehen:

zum Beispiel:

The alaram went off suddenly and went on ringing for hours.

To Drive Stick – umschalten

Auch wenn die USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind, sind sie im Bezug auf ihr Schaltverhalten ihrer Automobile arg limitiert. Es ist fast unmöglich ein Auto zu finden, das mit einem normalen Schaltgetriebe ausgestattet ist, und so haben selbst hubraumgewaltige ameriknanischeSportwagen eine Automatikausstattung.

Mein in den USA lebender Onkel braucht seinen VW Bully mit Fünfganggetriebe nicht einmal abzusprerren, weil diesen aufgrund der US-amerikanischen Schaltgetriebe Legasthenie, ohnehin niemand stehlen würde.

Natürlich gibt es dafür auch eine idiomatische Redewendung, nämlich „To Drive Stick“.

Pork, Beef, Mutton – englische Speisekarte

Eifrige Englisch für alle Leser wissen, dass die englische Sprache ein Hybrid aus vielen Sprachen ist, ihre Hauptbestandteile jedoch Deutsch und Französisch sind.

Die in der Völkerwanderung nach Großbritannien gelangten germanischen Stämmer der Angeln, Sachsen, Friesen und Juten vertrieben nicht nur die keltischen Ureinwohner in die Highlands von Schottland, Wales und Irland, sondern brachten auch gleichzeitig ihre Sprache mit. Diese war vorherrschendes Kommuniaktionsmittel bis Wilhelm der Eroberer aus der Normandie England und Französisch als offizielle Amtssprache einführte und Deutsche Dialekte zur Sprache des Pöbels degradierte.

Dies zeigt sich bis heute noch auch in der englischen Sprache von heute. Dinge die Alltagsgegenstände betreffen, haben meist eine deutsche Wurzel wie zum Beispiel house, während die Luxusausführung französischen Ursprungs ist: mansion = Villa.

Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen auf der Speisekarte die sämlichst aus dem Französischen entlehnt ist, während das Tier an sich seinen Wortursprung im Deutschen hat.

sheep = Schaf; mutton = mouton

swine = Schwein; pork = porc

cow = Kuh; beef = boeuf

Leider beschränken sich die Einflüsse der französischen Küche in England nur auf die Sprache.

Serves you right – der etwas andere Server

Schadenfreude ist die beste Freude. Nicht nur, dass im Englischen die deutsche Schadenfreude als Lehnwort existiert, auch Anglophone freuen sich über die Missgeschicke ihrer Mitmenschen. Um auf Englisch idiomatisch am Leid der anderern hämisch teilhaben zu können, lohnt es sich vielleicht sich folgenden Begriff zu merken:

it serves somebody right = es geschieht ihm Recht

zum Beispiel:

This guy always had such a big mouth, serves him right that he lost the game.

Turkey – türkischer Truthahn

Namen von Nationalitäten haben es im Englischen in sich. Wer zum Beispiel jemanden aus der Turkei als Turkey bezeichnet, löst ein interkulturelles Fukushima aus. Turkey ist zwar als Bezeichnung für den ewigen EU-Anwärter Staat am Bosporus richtig, jedoch ist ein Person türkischer Herkunft im Englischen ein „Turk„, das Adjektiv ist entsprechend „Turkish„, auf Englisch natürlich groß geschrieben.

Ein turkey ist ein Vogel aus der Familie der Fasanenartigen, auf Deutsch Truthahn.

Stille Wasser auf Englisch

Neulich wurde mir von einem Kunden ein Glas Wasser auf Englisch angeboten. Als ich diese Einladung, aufgrund des heißen Wetters dankend annahm, spezifizierte mein Gastgeber seine Offerte noch, indem er hizufügte:

…with or without minerals?

Seit die Industrie den Grundstoff des Lebens auf ihrer verzeweifelten Suche nach neuen Produkten für sich entdeckt hat, hält die Auswahl an Sprudelwasser für fast jeden Geschmack etwas bereit. Ohne Mineralien jedoch, habe ich noch nicht gesehen.

Wenn Sie im Englischen ein Wasser ohne Kohlensäure wollen, können Sie genau wie im Deutschen auf den Ausdruck still water zurückgreifen. Für Menschen, die keine Berührungsängste mit dem Lateinischen haben, geht auch non carbonated water. Englisch wäre nicht Englisch, wenn es nicht auch eine dritte Version parat hätte: sparkling für Mineralwasser, non-sparkling für stilles. Weiterhin gibt es die Möglichkeit fizzy water zu sagen.

Die Variante water with gas, ist in den USA missverständlich, weil gas dort Benzin heißt.

Eoin – der irische Johannes

Dass Irland gerne für sich einen Sonderstatus beansprucht, zeigt sich in der Kuriosität bei der Auswahl der Vornamen seiner Einwohner.

So ist Eoin die irisch/gaelische Entsprechung des deutschen Johannes, bzw. des englischen John. Ausgesprochen wird er jedoch, wie der britische Nachname Owen.

Warum einfach, wenn es auch irisch geht.