Archiv der Kategorie: Interkulturelles

Interessantes rund um das Thema interkultuerelle Unterschiede von Deutschen und Engländern bzw. Amerikanern

Wench – englisches Frauenzimmer

Während der deutsche Dichterfürst Geheimrat von Goethe nicht davor zurückschreckte Wörter wie Frauenzimmer oder Weibsbild zu benutzen, um auf das vermeintlich schwache Geschlecht anzuspielen, brandmarken diese Begriffe ihren Benutzer heute als frauenfeindlichen Reaktionär.

Die englische Entsprechung des deutschen Frauenzimmers heißt „wench“ und ist in seinem Gebrauch Frauen gegenüber, genauso wenig angeraten wie schmeichhaft, wie sein deutsches Äquivalent.

Jedoch gibt es Frauen, die, um sich einen besonders burschikosen Anstrich zu geben, auf dieses Wort als Identifikator zurückgreifen. Hier wäre die idiomatische deutsche Übersetzung Braut. Dies hat nichts mit einer sich im Prozess der Eheschließung befindlichen Frau zu tun, sondern bezieht sich auf die derbe Sprache, zum Beispiel von Motoradrockern. (=Rockerbraut)

Ein englisches Beispiel wäre die Piratenbraut = pirate wench.

Texas Drawl – langezogene Vokale auf der Flucht

Genau wie in Deutschland regionale Dialekte vom sogenannten Fernsehdeutsch längst in die Flucht  in geschlagen wurden, sind auch in den USA lokale Klangfärbungen auf dem Rückzug.

So trifft man in München kaum noch jemanden, der Bayerisch spricht und genauso stirbt der Texas Drawl aus, das für den Süden der USA typische Ziehen der Vokale, das die Sprache zu einem melodischen Sing Sang werden lässt. Dies mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass mit diesem Dialekt oft Hinterwäldlertum und Rassismus assoziert werden.

Dennoch, um dem Trend des Verschwinden von regionalen Eigenheiten entgegenzuwirken, zwei typisch texanische Redewendungen:

to walk in high cotton = reich sein

to have a big hat and no cattle = viel reden, wenig tun

Banana Bender – Warum ist die Banane krumm?

Eine Frage, die über Jahrhunderte Philosophen und Schöngeister beschäftigte, findet jetzt eine triviale Antwort.

Die gängige Annahme für die Krümmung der Banane war bis dato, dass „niemand in den Urwald flog, und sie wieder grade bog“. Weiterhin hält sich hartnäckig die Theorie, dass die Bananenkurve erfunden wurde, damit die exotische Gelbfrucht, nach der Wende, in den neuen Bundesländern nicht mit Gurken verwechselt wurde.

Des Rätsels Lösung liegt in Australien, in der Provinz Queensland, deren Einwohner den Spitznamen Banana Benders (Bananenbieger) haben.

Mason Dixon Linie – amerikanischer Weißwurstäquator

Aus irgendeinem Grund gibt es wohl bei jeder Nation eine große Rivalität zwischen ihren nördlichen bzw. südlichen Anteilen.
Die amerikanischen Preußen heißen Yankees und die Bayern sind den USA die Rebels, was nicht nur auf die querköpfige Sturheit, sowohl des süddeutschen Bergvolkes, als auch der Bewohner der südlichen USA zurückzuführen ist, sondern auf die Tatsache, dass die Plantagenbesitzer des Südens 1861 gegen den Norden aufbegehrten, weil sie sich nicht von ihren billigen Zeitarbeitskräften trennen wollten.

Geographish teilt der Weißwurstäquator die Welt in Bayern, südlich des Lech, und Preußen, nördlich des Lech ein.
In den USA übernimmt die Mason-Dixon Linie diese Aufgabe, die zwischen Pennsylvania und Maryland verläuft und so den Norden vom Süden trennt.
Die Südstaaten werden deswegen von ihren Einwohnern auch liebevoll Dixieland genannt, was auch die Bezeichnung für eine populäre Art der Blasmusik ist. Blasmusik ist auch in Bayern populär, die süddeutsche Variante dieser Art Blechreiz heißt aber im US- amerikanischen Englisch interessanterweise Polka Music.

Bubble And Squeak – griechische Spezialität

Ein weiteres Beipiel der Haute Cuisine des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland ist ein Gericht mit dem Namen Bubble and Squeak.

Es ist so eine Art gepimptes Irish Stew, das meist aus Kartoffelbrei, zerstampften Gemüse und einer Fleischbeilage besteht. Wer mit britischem Essen vertraut ist, weiß dass bei unseren Inselnachbarn das Auge nicht immer mit isst.
Auch wenn diese Mahlzeit optisch irgendwo zwischen Krebsgeschwür und Operation am offenen Herzen anzusiedeln ist, lassen Sie sich nicht abschrecken, der Schein trügt manchmal.

Interessant, dass dieses Gericht im Rhyming Slang Cockney, der Gossensprache Londons, für griechisch steht. Bubble And Squeak = Greek

Jaywalking II

Jaywalking ist eine Ordnungswidrigkeit im Bußgeldkatalog der US-amerikanischen Straßenverkehrsordnung, die darin besteht, die Straße als Fußgänger an einem nicht gekennzeichneten Übergang zu überqueren.

Außerdem gibt es in den USA eine Fernsehshow gleichen Namens, die darauf spezialisiert ist, Lücken in der Allgemeinbildung der US Bevölkerung bloßzustellen.

Beispiel I:

Q: What does the DC in Washington DC stand for?

A:  De Capital

Beispiel II:

Q: Where do you speak Gaelic?

A: In San Francisco.

Scrum Master – Master of Disaster

Die IT Branche ist selten verlegen, die deutsche Sprache um neue Anglizismen zu bereichern. Einer davon ist der sogenannte Scrum Master. Dieser ist seines Zeichens ein Schlichter und Moderator, wenn in der Anlaufphase eines Projektes die Interessen kollidieren und die Fetzen fliegen.

Der Ausdruck kommt von der, besonders bei den Nationen des englischen Commonwealth beliebten, Sportart Rugby. Ein scrum ist verleichbar mit dem Anstoß beim Fußball, nur der Sportart entsprechend ein wenig brachialer. Wenn die beiden Mannschaften aufeinander losgehen, sieht das oft aus wie eine Elephantenherde, die um eine Kokosnuss rauft.

Cheers – mehr als nur Prost

Der englische Trinkspruch cheers ist auch vielen Englisch lernenden Deutschen geläufig. Vielleicht ist es deswegen interessant zu wissen, dass die englische Sprache cheers nicht nur dazu verwendet, sich gegenseitig zuzuprosten, sondern auch eine Möglichkeit ist, sich in Emails originell zu verabschieden. Auch wenn das zunächst ein wenig ungewöhnlich klingen mag, cheers kann ohne Weiteres Floskeln wie kind regards, sincerely oder Ähnliches als Briefschluss ersetzen und ist dabei weder unhöflich, noch plump vertraulich.

The Ace of Spades – Pik-Ass – die Todeskarte

Das Pik Ass im französischen Kartenspiel nimmt eine Sonderstellung unter den Spielkarten ein. Im England mussten die Hersteller von Spielkarten früher auf jedes ausgelieferte Set eine Steuer entrichten, die dann mit einem Stempel auf dem Pik-Ass quittiert wurde. Weiterin war der Hersteller verpflichtet seine Daten auf dem Pik-Ass auszuweisen.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Ace of Spades von Soldaten als Glücksbringer verwendt, 20 Jahre später im Vietnamkrieg, in der psychologischen Kriegsführung gegen die Vietkong. In Vietnam gilt das Ace of Spades, die sogenannte Todeskarte, als schlechtes Omen und Vorbote für Krankeit und Tod. Deswegen befestigten viele GI’s diese Karte an den Helm, um Nordvietnamesen abzuschrecken und machten nicht davor Halt, toten Soldaten der nordvietnamesischen Armee, ein Pik-Ass in den Mund zu stecken. Die Amerikaner wissen einfach wie man sich beliebt macht.

Zuguterletzt schmückte auch noch das Anlitz von Saddam Hussein das Pik Ass eines Kartenspiels, das die US-Armee im zweiten Irak-Krieg herausgegeben hatte, auf der jede Karte mit dem Foto eines gesuchten Kriegsverbrecher des herrschenden Regimes versehen war. Ein Versuch Kopfjagd spielerisch zu nehmen?

Das Ace of Spades ist auch als Hardrock Klassiker der Band Motörhead in die Geschichte eingegangen und hat der Firma Oropax zu guten Umsätzen verholfen.