Archiv der Kategorie: Interkulturelles

Interessantes rund um das Thema interkultuerelle Unterschiede von Deutschen und Engländern bzw. Amerikanern

Cracker – mehr als nur Salzgebäck

Während man im Deutschen mit dem Wort Cracker eine Form von Salzkeks verbindet, ist ein cracker im Englisch der Vereinigten Staaten eine rassistische Beleidigung für einen Weißen, vergleichbar mit dem Unwort „Neger“ für einen Schwarzen.

Der Begriff kommt von dem Ausdruck „to crack a whip = die Peitsche knallen lassen“, womit man auf die Einstellung eines Sklaventreibers anspielt.

cracker - beleidigung - insult

Cracker Beleidigung als Anspielung auf einen Sklaventreiber

 

Minutemen – Minutenmänner

In den USA gibt es die sogenannten minutemen, das sind keine Männer, die ihre Frauen unglücklich machen, oder sich ausschließlich von Tüttensuppen ernähren, sondern waren eine Miliz von Kriegsfreiwilligen während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, die in Minuten kampfbreit waren. Daher der Name.

Heute bezeichnen sich rechtsradikale Gruppierungen von paramilitärischen Waffenfreaks als minutemen, die sich auf  einen kommunistischen Putsch Obamas vorbreiten. Sie beanspruchen damit für sich die Gralshut des amerikanischen Way of Life, wie auch immer dieser in ihren Augen aussehen mag.

Circle Line – Anglea Merkel im Untergrund

Cockney, der Dialekt London´s, hat seinen Usprung darin, dass Halbweltganoven ihre nicht ganz astreinen Geschäfte in der Alltagssprache codierten, indem sie ein Wort durch einen Reim ersetzten, um die Polizei zu verwirren.

zum Beispiel:

bacon and eggs = legs;  Why don´t you give your bacon and eggs a rest.

Dieses Phänomen macht auch vor der eisernen Kanzlerin nicht halt und führt zu dem bizarren Elaborat  Merkel line , was waschechte Londoner nun anstelle der circle line (Merkel reimt auf circle) benutzen. Na dann, mind the gap.

z.B.

I hear there´s a cock up again at the Merkel line.

Greasy Spoon – Fettlöffel

Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland ist berühmt für seine etwas andere Vorstellung von Esskultur. Ein typisches Beispiel hierfür sind Restaurants, die aufgrund ihrer fettig deftigen Hausmannskost und nicht immer rigroros eingehaltenen Hygienevorschriften, unter dem wenig schmeichelhaften Beinamen greasy spoon, bekannt sind. Fettiger Löffel, was zunächst nach einem Indianerhäuptling à la  Der Mit Dem Wolf Tantz klingt, ist traurige Realität, in einem Land, wo baked beans in tomato sauce als Delikatesse gelten. Mahlzeit!

Deutsch Amtssprache in den USA?

Obwohl ca. 17 % Einwanderer deutscher Abstammung, ca. 11 % englischer und ca. 10 % irischer gegenüberstehen, hat es, entgegen aller Gerüchte, nie eine Abstimmung darüber gegeben, ob Deutsch offizielle Amtssprache der USA werden sollte, oder nicht.

Diese Legende rankt sich rund um einen deutschen Immigranten namens Muehlenberg, der im entscheidenenden Votum, abgehalten 1794 in Pennsylania, der Hochburg des US- Teutonentums, gegen ein solches Vorhaben gestimmt haben soll.

Wie jede Mär, hat auch diese einen wahren Kern: Deutschstämmige Einwanderer aus Virginia haben 1794  eine Petition im US Repräsentantenhaus eingereicht, worin sie gefordert haben, Gesetze zukünftig auch auf Deutsch zu veröffentlichen. Der Abgeordnete, der die Ablehnung dieser Petition durch seine Stimmenthaltung besiegelte, war tatsächlich der deutschstämmige Einwanderer Frederick Muehlenberg, mit dem Argument, je schneller die Deutschen Amerikaner werden, desto besser.

Heute wird noch in Teilen Pennsylvanias Deutsch gesprochen, hauptsächlich von den Amish, um sich abzusondern.

You’ll Never Walk Alone

Auch wenn die moderne Forschung sagt, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt, fällt es schwer diese These aufrecht zu erhalten, wenn man in ein Fußballstadion geht.

Während in Deutschland auch die Intelektuellen unter den Fußballfans Probleme haben, sich Gesänge zu merken, die über Zicke, Zacke, hei, hei, hei, hinausgehen, sind britische Fußballanhänger durchaus in Lage, komplizierteres Liedgut zu meistern.

Das wohl berühmeteste Elaborat dieses Kategorie ist, „You will never walk alone„, von Gerry and The Pacemakers, das ursprünglich die Fans des FC Liverpool für sich beansprucht haben, sich jedoch so großer Beliebheit erfreut, dass es mittlerweile von allen Fußballfans gesungen wird, die sich den Text merken können.

Child – he, she, oder it?

Ausländer, die Deutsch lernen, sind meist entsetzt, dass im Deutschen das Kind sächlich ist. Geschlechtergleichheit hin und her, ein Kind ist doch schließlich kein Gegenstand.

Wie löse ich jedoch dieses Problem, wenn ich im Englischen von einem Kind im Allgemeinen rede, und mich nicht auf ein Geschlecht festlegen möchte bzw. kann.

Die Lösung ist, anstelle von he, she oder gar it, tritt they.

z.B.:

At one point you will have to tell a child they can´t just do what they want.

Me, Myself And I – Selbstfindung auf Englisch

Symptomatisch für das Mekka der Egozentrik und Wiege des Individualismus, den USA, ist nicht nur die Tatsache, dass das Recht sein Glück zu suchen (the right to pursue happiness) verfassungsmäßig garantiert ist, sondern dass dort Narzissmus nicht einmal mehr als Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wird, da es mittlerweile der Normalzustand geworden ist.

Auch im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland sind die Egos groß, so groß nämlich, dass sei die erste Person Einzahl groß geschrieben wird, um den gebührenden Status zu unterstreichen. Während sich in anderen Kulturen nur der Esel zuerst nennt, sind Anglophone in dieser Beziehung vollkommen schmerzfrei, und senden gerne eine starke Ich-Botschaft, indem die sie sich selbst gerne an den Anfang einer Aufzählung stellen.

Generell sind Angloamerikaner im Bezug auf ihren Egoismus sehr ehrlich mit sich selbst und ihrer Umwelt, und wo Festland-Europäer noch verschämt Selbstlosigkeit heucheln, geben Anglophone gerne und offen zu worum es wirklich geht: Me, myself and I (großgeschrieben).

Should und Shall Unterschied – Du sollst nicht sollen

Wer in einer Fremdsprache versiert sein will, muss sie auch in den Nuancen unterscheiden können. Ein Beispiel hierfür ist der kleine, aber feine Unterschied zwischen should und shall, die beide im Deutschem mit sollen übersetzt werden, aber eben ein wenig anders.

Shall:

Die Hauptbesonderheit von shall liegt darin, dass Sie speziell im britischen English, als Alternative zu will, als Hilfsverb für das Futur, verwendet wird:

z.B.: Rule Britannia, Britannia rule the waves, we shall never, never will be slaves.

Außerdem kommt shall zum Einsatz bei Vorschlägen:

Shall we eat some ice-cream?
Shall I clean up your room?

Das gilt auch bei question-tags:

Let’s go the dance, shall we?

Ansonsten bedeutet shall, besonders im normativen Englisch, ein Sollen, das keine andere Option duldet, also eher einem Müssen gleichkommt. Aus diesem Grund werden im Englischen die zehn Gebote (Ten Commandments) mit shall ausgedrückt, zum Beispiel:

Thou shall not steal

Thou shall not covet thy neighbor’s wife

Should:

Wird, als Vergangenheit von shall, vor allem in der indirekten Rede verwendet:

I told him that he should clean up his room.

Anders als shall, das als Sollen eher Befehlscharakter hat, ist should ein Sollen, das ein wenig Spielraum lasst. Deswegen ist es, besonders in Großbritannien, im Königreich der indirketen Andeutungen, oft besser, weil höflicher, weil unverbindlicher, mit should zu arbeiten,

zum Beispiel:

You should clean up your room, ist wesentlich höflicher, als you shall clean up your room.

In der Version mit shall würden Sie sich dann nämlich ein bisschen anhören wie Moses, beim Verkünden der zehn Gebote am Berg Sinai .